Bei Handelsschluss auf dem europäisch dominierten Forex-Markt kostete das Britische Pfund Sterling am Ende des Jahres 2008 nur noch 1,0199 Euro. Auf dem Höhepunkt des Wertverfalls der britischen Landeswährung kostete ein Euro zwischenzeitlich 98 Pence. Damit erreichte die europäische Gemeinschaftswährung den höchsten Stand gegenüber dem Britischen Pfund seit dessen Einführung 1999. In den vergangenen zehn Jahren hat das Pfund Sterling fast 25 Prozent seines Wertes gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung verloren. Ein Ende scheint bisher nicht in Sicht zu sein. Im Gegenteil: Analysten und Ökonomen rechnen fest mit der Parität zwischen beiden Währungen in den kommenden Januarwochen. Experten gehen sogar davon aus, dass sich mittelfristig der Preis für ein Pfund Sterling bei 0,90 Euro einpendeln könnte.

Vor allem die konservative britische Presse macht die derzeitige Labour-Regierung unter dem Premierminister Gordon Brown für die Misere verantwortlich. So wird Brown und seiner Regierungsmannschaft vorgeworfen, eine allzu lockere Finanzpolitik betrieben zu haben. Die hohe Staatsverschuldung hätte das Vertrauen in die ehrwürdige britische Währung zu tiefst erschüttert. Doch diese Behauptungen spiegeln nicht die ganze Realität wieder. In erster Linie ist die Schwäche des Britischen Pfunds auf die schlechte konjunkturelle Lage der britischen Wirtschaft zurück zuführen. Im Gegensatz zu den Euro-Teilnehmerländern wurde die britische Ökonomie besonders hart von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise getroffen.

Ende des Immobilienbooms

Wie die Amerikaner so konnten auch die Briten lange Zeit von einem langanhaltenden Immobilienboom profitieren. Doch wie in den Vereinigten Staaten so ist auch in Großbritannien die Immobilienblase mit einem lauten Knall geplatzt. Immer mehr Briten sind gezwungen ihre Häuser zu verkaufen und stehen nun vor dem privaten Bankrott. Die Pro-Kopf-Verschuldung auf der Insel ist doppelt so hoch wie in Kontinentaleuropa. Im Dezember 2008 verzeichnete der britischen Einzelhandel das schlechteste Ergebnis seit der Konjunkturkrise von 1990. Und das in einem Land, von dem, ähnlich wie in den USA, die Wirtschaft vor allem vom privaten Konsum abhängig ist.

Ausländische Investoren, die jahrelang in die Londoner City investierten, haben sich aus den riskanten Geschäften zurückgezogen. Die Golfstaaten und auch asiatische Schwellenländer haben riesige Summen in vermeintlich sichere Pfund-Anlagen investiert. Bedingt durch die globale Finanzkrise bewirkte der Vertrauensverlust in die britischen Finanzunternehmen einen sehr raschen Kapitalabzug. Marktbeobachter sprechen von einer regelrecht panikartigen Flucht aus dem Britischen Pfund Sterling. Nach dem amerikanischen Dollar und dem Euro ist das Britische Pfund nach wie vor eine der wichtigsten weltweiten Währungsreserven. Und auch die Bank of England, die britische Zentralbank, tat nichts um die Kapitalflucht aufzuhalten. Ihre Maßnahmen bewirkten eher das Gegenteil und verstärkten den Abfluss noch zusätzlich. In nur wenigen Monaten hatte die britische Zentralbank die Leitzinsen immer wieder gesenkt. Das Leitzinsniveau liegt nun mittlerweile bei 2,00 Prozent und damit unter dem Leitzinsniveau der Europäischen Zentralbank.

Ein nationales Symbol

Die britische Zentralbank versucht derzeit die Rezession mit einer Politik des billigen Geldes zu bekämpfen. Die Kehrseite ist, dass jede weitere Zinssenkung eine Investition in das Britische Pfund Sterling noch unattraktiver macht. Wo das Kapital nicht mehr oder nur noch geringfügig vermehrt werden kann, ziehen die Investoren weiter. Für die Zentralbanker ergibt sich aus der gegenwärtigen Situation ein Dilemma. Eine weitere Zinsabsenkung der Bank of England könnte zu einem erneuten Absturz der Währung auf den Forex-Märkten nach sich ziehen. Allerdings möchte die britische Notenbank nicht als Bremser gegenüber dem dringend erhofften wirtschaftlichen Aufschwung dastehen. Entsprechend unter Druck wird die Notenbank von Seiten der Regierung gesetzt. Aus Regierungskreisen würde sogar eine Senkung des Leitzinsniveaus auf Null Prozent in Kauf genommen werden, wenn dies der Ankurbelung der Konjunktur dienlich ist.

Für die britischen Verbraucher ist die derzeitige Schwäche ihrer Landeswährung eine ganz neue Erfahrung. Das Britische Pfund Sterling ist, ähnlich wie in Deutschland die D-Mark und in den USA der Dollar, ein nationales Symbol. Bereits das alte British Empire fußte auf dem Pfund Sterling. In den Kolonien und den späteren Ländern des Commonwealth förderte der Kreislauf der britischen Währung einen regen Handelsverkehr. Eng verbunden mit dem Britischen Pfund als Nationalsymbol ist die Bank of England, die 1694 gegründet wurde und sich bis heute als Gralshüter der Stabilität der Britischen Währung sieht.

Wetten auf fallende Kurse

1990 trat Großbritannien dem Europäischen Währungssystem bei. Für viele Politiker und Ökonomen gilt der Beitritt als der bis dato folgenschwerste währungspolitische Schritt des Landes überhaupt. Das Britische Pfund Sterling war, wie viele andere europäische Währungen auch, an ein festes Wechselkurssystem gebunden. In Folge umfangreicher Spekulationen großer internationaler Investoren gegen das Britische Pfund Sterling, kam es 1992 zu einer massiven Störung des Gesamtgleichgewichts. Die Spekulationen richteten sich gegen die Überbewertung des Pfunds. Am sogenannten „Schwarzen Mittwoch“, am 16. September 1992, musste sich Großbritannien aus dem Europäischen Währungssystem zurück ziehen. Der damalige Finanzminister, Norman Lamont, hatte sich unter anderem aus Prestigegründen geweigert, einer Abwertung des Britischen Pfunds zu zustimmen.

Erst langsam konnte sich die britische Landeswährung wieder stabilisieren. Unterstützt wurde sie dabei durch den langanhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung unter der neuen Labour-Regierung von Premierminister Tony Blair. 1999 hatte das Britische Pfund Sterling fast wieder zu seiner alten Größe zurück gefunden, so dass die Briten keinen Anlass sahen, bei der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung mitzumachen. Zumal auch die Wirtschaft im europäischen Währungsraum deutlich hinter der Britischen lag.

Heute sieht sich Großbritannien als eines der Hauptopfer der globalen Finanzkrise. Die Euro-Teilnehmerländer haben deutlich gezeigt, dass sie besser mit den Auswirkungen der Finanzkrise zurecht kommen. Auch Großbritannien könnte davon profitieren. Doch sowohl in Regierungskreisen als auch auf Seiten der Opposition gibt man sich eher zurückhaltend. Als Schatzkanzler unter Tony Blair hatte sich Gordon Brown vehement gegen die Einführung des Euros auf der Insel gewehrt. Eine Änderung seiner Haltung ist bisher nicht zu erkennen.

Der Unabhängigkeitsgedanke ist in Großbritannien stark ausgeprägt. Sie wollen sich weder der Herrschaft Brüssels unterwerfen, noch der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. Ob das aber eine erfolgversprechende Strategie in Zeiten der globalen Krise ist, ist fraglich.

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04. Januar 2009