Nach über einem Jahr verkündete die Europäische Zentralbank am gestrigen Dienstag, dass im europäischen Währungsraum wieder Preisstabilität herrscht. Gleichzeitig eröffnete die Zentralbank Raum für Spekulationen über eine erneute Zinssenkungen in der nächsten Woche.
Die Inflationsrate ist im Dezember auf 1,6 Prozent gefallen und ist damit deutlich schwächer ausgefallen als erwartet. Die Teuerungsrate erreichte ihren niedrigsten Stand seit dem Oktober 2006. Die Inflationsrate blieb im Dezember unter der zwei Prozentmarke. Unter dieser Marke sieht die Europäische Zentralbank die Preisstabilität in der Eurozone als gewährleistet an. Das letzte Mal, dass die Inflationsrate unter der Grenze blieb, war im August 2007. Der Trend zu einer fallenden Inflationsrate zeichnete sich bereits im November ab, als die Teuerungsrate bei 2,1 Prozent gemessen wurde.
Der Rückgang wird auf die gefallenen Energiekosten zurückgeführt. Bis zur Mitte des Jahres 2008 erreichte der Preis für ein Barrel Öl fast 150 Dollar. Derzeit liegt er knapp um die 50 Dollar Marke. Durch den explodierenden Ölpreis ist auch die Inflationsrate im europäischen Währungsraum auf ein Rekordniveau gestiegen. Weitere Angaben zur Preisentwicklung wird die europäische Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag kommender Woche bekannt geben.
Für den Monat Januar wird mit einem weiteren Rückgang der Teuerungsrate gerechnet. Einige Analysten gehen sogar von einem Szenario aus, in dem die Inflationsrate bis Mitte des Jahres 2009 unter null Prozent fallen könnte. Damit würde im Euroraum eine Deflation ausgelöst werden. Allerdings gaben die Zentralbanker bereits Entwarnung. Von einer Abwärtsspirale der Preise kann gegenwärtig nicht die Rede sein. Ein Rückgang der Preise setzt einen Lohnrückgang voraus. Dafür müsste jedoch erst die Zahl der Arbeitslosen massiv ansteigen. Doch eine solche Entwicklung wird von kaum einem Experten vorhergesagt und auch die Regierungen sind bemüht, einer solchen Entwicklung durch Konjunkturpakete entgegen zu wirken.
Weiterhin ist davon auszugehen, dass die Europäische Zentralbank alles in ihrer Macht stehende unternehmen wird, um eine solche bedrohliche Entwicklung zu verhindern. Bereits am vergangenen Montag deutete ein Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank neue Leitzinssenkungen in der Eurozone an, um das Gespenst der Deflation auszutreiben.
Am Donnerstag, dem 15. Januar 2009, geben die Zentralbanker ihre neusten Leitzinsentscheidungen bekannt. Die Märkte haben bereits eine Zinssenkung von 50 Basispunkten auf 2,00 Prozent eingepreist. Einige Anleger setzen aber darauf, dass die Zentralbank die Zinsen noch weiter senken könnte. Seit dem Oktober 2008 senkte die Europäische Zentralbank die Leitzinsen für den Euroraum in drei Schritten um insgesamt 175 Basispunkte auf derzeit 2,50 Prozent.
Die Zentralbank reagierte somit auf die schnelle Abkühlung der Konjunktur im europäischen Wirtschaftsraum. Im Dezember brach der Index für die Dienstleistungsbranche so stark wie noch nie ein. Auch der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungsbereich fiel deutlich hinter die Erwartungen zurück. Dies lässt für Volkswirtschaftler nur einen Schluss zu: Der europäische Währungsraum befindet sich in einer tiefen Rezession. Für das vierte Quartal des vergangenen Jahres wird daher mit einer weiteren Verminderung der europäischen Wirtschaftsleistung gerechnet. Einige Analysten gehen sogar davon aus, dass 2009 das Bruttoinlandsprodukt in Europa um zwei Prozent schrumpfen könnte.







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